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19.5.2010 von Wulf.
Ich habe jetzt genau eine Woche Reha in Bad Bevensen hinter mir. Und heute wurde die Entscheidung getroffen, dass ich nochmal nachoperiert werden soll. Die Wundränder haben sich heftig entzündet und teilweise ist das Gewebe abgestorben. Nun kann da nichts mehr zusammen wachsen. Am Freitag fahre ich zurück ins Krankenhaus Celle und hoffe, auch noch am gleichen Tag in den OP zu kommen. Sonst würde ich bis Dienstag nächster Woche feiertagsbedingt dumm rumliegen.
Ich wollte eigentlich täglich über die reha berichten…passiert hier doch teilweise Unglaubliches. Ich werde wohl später all die durchgeknallten Dinge beschreiben…jetzt bin ich erstmal reichlich frustriert.
Ich verspreche, ab dem Wochenende regelmäßiger zu schreiben!
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7.5.2010 von Wulf.
In der letzten Woche ist unglaublich viel passiert. Also der Reihe nach:Am Montag habe ich mein neues Bein bekommen Die erste Anprobe war ätzend. Nichts hat gepasst. Am nächsten ag war es auch nicht besser. Richtig widerlich ist es dann am Mittwoch gewesen. Nachdem am frühen Morgen jeder zweite Faden entfernt wurde, musste ich erneut zur Beinanprobe. Und dann passierte das Unglaubliche. Ich steckte in der Prothese fest. Das Ding funktioniert mit Unterdruck und einem Ventil, das man nur zur Hälfte eindrücken darf, damit es Luft rein oder raus lässt. Der Prothesenmacher, der Physiotherapeut und ich zogen und zerrten 15 Minuten an meinem Bein rum. Es war unglaublich schmerzhaft, war der Stumpf durch die viel zu enge Prothese sowieso schon angeschwollen. Erst nachdem ich selbst das Ventil gedrückt habe, ging das Bein aus diesem verdammten Ding raus. Heute habe ich das Ergebnis dieses Dramas…meine Naht ist aufgeplatzt und es gibt keine geraden Wundränder. Das Ganze sieht aus wie ein Ofenkäse.
Es gibt aber auch Erfreuliches. Donnerstag habe ich geheiratet…hier im Krankenhaus. Eigentlich war geplant, alles in einem absolut kleinem Rahmen zu machen…Vera, ich und die Standesbeamtin. Da aber Hochzeiten in Krankenhaus etwas Besonderes sind, haben sich die Schwestern es sich nicht nehmen lassen, Reis zu streuen und uns durch ein Bettlaken schneiden zu lassen. So war es doch eine schöne runde Sache.
Ganz nebenbei habe ich heute erfahren, dass meine Rentenversicherung die Reha nicht übernehmen will. Sie hat mich als dauerhaft berufsunfähig eingestuft. Damit scheine ich Frührentner geworden zu sein. Mal abwarten, was ich so an Frührente bekomme. Jetzt hat die Krankenkasse die Kosten übernommen. Die suchen jetzt einen Reha-Platz. Durch die aufgeplatzte Narbe kann sich das ja jetzt auch noch verschieben.
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2.5.2010 von Wulf.
Nun ist es zwei Wochen her, dass man mir den Unterschenkel amputierte…und jetzt stellt sich der erste Frust ein. Mich nervt das Amputiertsein zunehmend. Es mag daran liegen, das ich zurzeit nichts machen kann. Die Reha beginnt frühestens nächste Woche…das Krückentraining ohne Prothese ist sinnlos…und mein erstes Kunstbein kommt auch erst Anfang nächster Woche. Das einzige, was mich positiv stimmt ist die Tatsache, dass ich seit einer Woche in einem Privatpatientenzimmer liege. Dort gibt es Fernsehen, ein Klo und eine Dusche im Zimmer und einen netten zweiten Mann. Die Kassenzimmer haben weder Fernsehen noch Radio…und das Klo ist auf dem Flur. Die nächste Dusche ist für mich auf einer anderen Station…und die meisten Patienten sind dement, weil dieses Krankenhaus demnächst (ab Juni) ein rein geriatisches Fachkrankenhaus wird. Auf meiner Station gibt es mit mir zusammen nur drei Patienten unter 50.
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1.5.2010 von Wulf.
Nachdem ich immer weniger gehen konnte, habe ich Frührente beantragt. Eine andere Möglichkeit habe ich nicht mehr gesehen. Finanziell wäre es ein Debakel geworden…aber arbeiten hätte ich einfach nicht mehr können. Also habe ich den Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung gestellt. Mein Krankengeld ist seit Anfang April ausgelaufen…es wird finanziell langsam eng.
Jetzt wurde ich unterschenkelamputiert…und bin wieder gesund. Unglaublich aber wahr. Ich weiß nicht, wie viele Prozentpunkte ich jetzt weniger habe…es reicht auf jeden Fall nicht mehr für eine Rente. Was für ein Irrsinn.
Jetzt bin ich also arbeitslos und muss einen ALG1-Antrag stellen. Ich rufe also bei der Agentur an und möchte die Unterlagen ins Krankenhaus geschickt bekommen. Im Callcenter wurde ich dreimal abgewürgt. Ich müsse entweder persönlich vorbei kommen, oder es würde keinen ALG-Antrag geben…Ende der Diskussion. Ich wende mich hier im Krankenhaus an die Sozialarbeiterin und werde ähnlich abgefertigt. Das würde nicht zu ihrem Aufgabenbereich gehören, was solle das bringen, wenn sie da anrufen würde, sie könne mir einfach da nicht helfen. Unglaublich…sie nennt sich ernsthaft „Sozialarbeiterin“. Den Reha-Antrag hat sie dann ganz routiniert fertig gemacht. Ich bin das erste Mal in diesem Krankenhaus ruppig geworden. Wieso sie sich „Sozialarbeiterin“ nenn würde. In diesem Beruf gäbe es keine Sätze, die mit „Ich kann nicht“, „Ich will nicht“ oder mit „Ich weiß nicht“ anfangen. Sie hat das sehr persönlich genommen und mich an eine Kollegin abgegeben. Die hat dann tatsächlich bei der Agentur angerufen. Und was ist passiert? Ein Bereichsleiter der Arge ruft mich an und entschuldigt sich für die Callcenter-Tante. Natürlich würde mir der Antrag zugeschickt werden…kein Problem. Und tatsächlich…drei Tage später habe ich den ALG-Antrag am Bett…mit dem Vermerk, ich müsse ihn bis zum 3.5. persönlich nach vorheriger Kontaktaufnahme abgeben. Diese Textpassage wurde extra noch einmal mit Textmarker hervorgehoben. Ein weiterer Anruf und jetzt durfte ich ihn doch noch per Post verschicken.
Fuck the Arbeitsamt !!!
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